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Tuesday, 23 August 2011

The road to god knows where (4)

Von meinem Hotelfenster kann ich an der orangefarbene Fassade herunter sehen, über die Strasse bis hin zum Bahnhof, die Züge kann ich die ganze Nacht über hören. An die Fassade des Gebäudes sind große schmutzig gelbe Leuchtkästen mit den einzelnen Buchstaben des Wortes HOTEL montiert. Am Nachbargebäude blinkt ein anderes grellgelbes Schild: „Gold An- und Verkauf“. Ich fotografiere die Lichter der Züge, die Funken ihrer schreienden Bremsen auf den Gleisen, die Fahrbahn aus flüssigen Zerrspiegeln, die Ampeln und Bremslichter der Autos. Als ich meinen Kopf aus dem Fenster ziehe und in mein Zimmer sehe, weiß ich, dass ich heute niemanden mehr zu mir lassen kann, denn Austin sitzt im Pelzmantel auf meiner Bettkante und wirft Packung für Packung meiner Tabletten auf den senffarbigen Bettüberwurf vor mir. Er erzählt mir von all den Touren, bei denn er dabei war, erzählt mir von vergessenen Bands und solchen, die heute noch groß sind, von Plattenfirmen, Promotern, Journalisten, Trinkgelagen, zahl- und namenlosen Mädchen, verstimmten Gitarren, weißen Drogenspuren auf blanken Flächen. Ich will das alles nicht mehr hören, ich will keine Bands mehr, keine stinkenden Tourbusse, ich will in meine klimatisierten Londoner Clubs zurück, in meinen Beat. Ich will an die Orte, an denen alles möglich ist, auch, das Gesicht von der Kehrseite abzuwenden. Von jeder Kehrseite die mir nicht gefällt. Ich will eine Geschichte zurück, die ganz allein meine ist, will Musik, die ich allein gefunden habe, will neues, ungehörtes, nicht immer nur Geschichten von Dingen, die es nicht mehr gibt, und deren Anfängen. Austin drückt Tablette um Tablette aus ihrer schimmernden Folie, die ich in meinen hohlen Handflächen sammele und mir schließlich aus den vollen Händen in den Mund schiebe. Dazu trinke ich unterschiedlich gefärbte Flüssigkeiten aus den Puppenflaschen des braunen Minikühlschrankes. Wir tanzen in meinem Zimmer. Wir hören kein Klopfen und Rufen. Keine Einladung zum Essen. Es gibt keine Vergangenheit. Das ist der erste Tag, die erste blanke Seite, der erste Atemzug, mein erster Schnee. Ich falle lachend und ich falle aufs Bett. Ich lache nicht lang. Der Moment der Erneuerung endete über der Kloschüssel, würgend, wissend, mit Vergangenheit, mit Geschichte, mit einer einigermaßen vorhersehbaren Zukunft. Ich kann Austin nicht entkommen. An keinem Ort der Welt, aber das hätte ich einfacher irgendwo nachlesen können, dazu bedarf es keiner eigenen Erfahrung.

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